Sowjetische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter

Ein Beitrag von Pia Naumann

Im Jahr 1941 genehmigten Hitler und Göring die Zwangsarbeit von sowjetischen Kriegsgefangen und Ostarbeitern im Grundgesetz. Von da an wurden Menschen aus Polen, der Ukraine und Russland in Zügen nach Deutschland verschifft und mussten dort unter unmenschlichen Bedingungen harte Arbeit leisten. Im Oktober 1941 kamen erstmals sowjetische Kriegsgefangene in Stolberg an, die dann in der Rüstungs- und metallverarbeitenden Industrie arbeiten mussten. Die Zwangsarbeiter, unter denen sich auch viele Frauen und Kinder befanden, waren in nahegelegenen Baracken untergebracht.

Sowjetische Kriegsgefangene, 1941
Sowjetische Kriegsgefangene, 1941

Die Menschen mussten 12 bis 18 Stunden am Stück arbeiten und bekamen dafür nur kaum etwas. Berichte von der Bezirksgruppe Steinkohlebergbau Aachen geben Auskunft über die Arbeitsbedingungen der Arbeiter. Dort wird die Arbeitsfähigkeit der sowjetischen Zwangsarbeiter als nicht zufriedenstellend beschrieben, was zwar auf ihren Ernährungszustand zurückgeführt wird, aber auch auf die teils mangelnde Arbeitsdisziplin. Besonders Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion litten unter Hunger. Einerseits wegen des langen Transports durch Deutschland, andererseits wegen den schlechten gesundheitlichen Bedingungen und der unzureichenden Verpflegung in den Lagern.

1942 traten die „Ostarbeitererlasse“ in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt war den sowjetischen Arbeitern kaum noch etwas erlaubt. Die unmenschliche Behandlung der Zwangsarbeiter sollte konsequent eingehalten werden. Bei Widerstand gab es Ordnungsstrafen nach Ende der Arbeit, Entzugsstrafen von warmen Mahlzeiten an bis zu drei Tagen und auch Arreststrafen. Außerdem sollten Wachleute und Polizei bei Flucht und sehr großem Widerstand rücksichtslosen Gebrauch von der Waffe machen.

 

„Die Berichte der Werke sind verschieden. Einige Gruben klagen darüber, dass bei fast alles Ausländern die Leistungen und die Arbeitswilligkeit noch zu wünschen übrig ließen und dass es sehr viel Mühe und Kleinarbeit bedürfe, ehe von diesen Leuten eine einigermaßen ansprechende Leistung erwartet werden könne.“ (Bezirksgruppe Steinkohlebau)

Bis Kriegsende starben 1.300.000 sowjetische Gefangene. 148 Männer, Frauen und Kinder ruhen hier auf dem Westfriedhof nahe der Grenze. Sie alle wurden aus ihrer Heimat verschleppt und Opfer von Ungerechtigkeit und unmenschlicher Behandlung.

Die Gräber der sowjetischen Zwangsarbeiter auf dem Westfriedhof, Vaalser Straße
Die Gräber der sowjetischen Zwangsarbeiter auf dem Westfriedhof, Vaalser Straße

 

(Quellen: „Zwangsarbeit in Stolberg/Rhld.“ von Stefan Krebs

„Zwangsarbeit in der Grenzzone“ von Thomas Mülle

„Zwischen Herr und Herrlichkeit“ von Klaus Fettweis

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/kriegsverlauf.html)

 

 

 

 

 

 

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Diskriminierung und Verfolgung Homosexueller

Ein Beitrag von Gwen Neßeler

In der NS-Zeit wurden Homosexuelle ausgeschlossen und verfolgt. Am 10.Oktober 1936 wurde die Reichszentral zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung gegründet, diese war zuständig zum Sammeln von Daten Homosexueller. Die nationalsozialistische Ideologie hinter der homophoben Haltung stand, dass keine Fortpflanzung möglich war und somit nach ihrer Ansicht die Geburtszahlen gefährdet wären. Durch Propaganda sollte die Bevölkerung gegen Homosexuelle aufgebracht werden.

52 sog. Kissensteine für die Verfolgten aus Aachen
52 sog. Kissensteine für die Verfolgten aus Aachen
Gedenktafel für 52 Verfolgte aus Aachen
Gedenktafel für 52 Verfolgte aus Aachen

Auf dem Aachener Waldfriedhof auf dem Ehrenfriedhof liegen 52 KZ-Opfer darunter die Hälfte politische Verfolgte, die anderen Behinderte und Homosexuelle. . In den Jahren 1941-1943 wurden die Überreste an die Angehörigen nach Aachen überführt. Die Urnen wurden von unterschiedlichen Friedhöfen in Aachen auf die Gemeinschaftsanlage der Ehrenanlage beigesetzt. In der NS-Zeit waren schon angeblich begehrliche Blicke und sexuelle Handlungen gegenüber Männern strafbar. Frauen wurden nicht verfolgt aber als asozial bezeichnet. Männer die im Verdacht standen homosexuell zu sein, durften nicht ohne polizeiliche Genehmigung ihren Wohnort verlassen. Viele homosexuelle Männer wurden in Konzentration Lager geschickt, wo sie durch ein pinkes Dreieck auf dem Hemd gekennzeichnet wurden.

KZ-Kennzeichen

„Verbot, sich zur Nachtzeit im Sommer von 23 bis 5 Uhr, im Winter von 23 bis 6 Uhr außerhalb der polizeilich gemeldeten Wohnung aufzuhalten. Die Ablieferung eines Hausschlüssels an die Kriminalpolizei kann dem Betroffenen vorgeschrieben werden.“ Homosexualität in der NS-Zeit :Dokumente einer Diskriminierung und Verfolgung

Berichten zu Folge wurden ca. 10.000-15.000 Männer wegen Homosexualität in KZ-Lager gebracht. Ungefähr 53% von den Männern kamen ums Leben. Die Zahl variiert, da man nicht weiß, wie viele aus anderen Gründen getötet wurden.

(Quellen: wgdv.de, Homosexualität in der NS-Zeit: Dokumente einer Diskriminierung und Verfolgung, Wikipedia)

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Raerener Straße/Kinkebahn, Lichtenbusch

In Zeiten von Krieg fliehen viele Menschen in andere Länder, um zu überleben und ein besseres Leben zu haben. Die Flucht aus Kriegsgebieten ist auch heute noch ein sehr aktuelles Thema; z. B. in Syrien oder Afghanistan, und bewegt viele Menschen zur Hilfe. Auch zur Zeit der Judenverfolgung flüchteten viele Menschen über die Grenzen, wobei manche auch Hilfe von Deutschen bekamen.

An den Grenzen zu Belgien und den Niederlanden gab es zahlreiche Flucht- und Schmuggelaktivitäten politisch Andersdenkender, jüdischer Staatsbürger oder aus ethnisch/sozialen Gründen Verfolgter. Somit gehörte Aachen bzw. Lichtenbusch zu einer der wichtigen Fluchtstationen ins Ausland.

Insbesondere in den Jahren von 1933 – 1935 flüchteten politisch Verfolgte über die Grenzen, was von der Bevölkerung wenig bemerkt wurde. So dienten Belgien und die Niederlande bis 1940 als Basis für Untergrundarbeiten von Sozialdemokraten, Kommunisten oder Gewerkschaftlern, gegen das Regime des Inlands. Die Grenzen wurden nun stärker kontrolliert und es wurden schärfere Zollgesetzte angesetzt. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten schmuggelte die Untergrundorganisation Informationsmaterial, wie z. B. die Parteizeitung „Vorwärts“ der SPD, nach Deutschland. Durch die Etablierung der Terrorherrschaft und die immer deutlicheren Repressalien stieg der Flüchtlingsandrang jüdischer Menschen an den Grenzen stark an. Die Rassengesetzte von 1935 erlaubten Juden mit legalen Papieren zwar, Deutschland zu verlassen, jedoch durften die Menschen nur 10RM mitnehmen. Die Flüchtlinge bekamen oft Hilfe ortskundiger Grenzländer, aber die Grenzbeamten und SS-Kontrollen spürten viele Juden auf. Diese wurden entweder ausgeraubt und ohne Besitz nach Belgien geschickt, oder verhaftet und zur Rückkehr ins Reich gezwungen. Die Behandlung hing ab von zwei Motiven: Willkür und aktueller Druck des Ausland. Auch die politische Bewertung in Belgien oder den Niederlanden schwankte sehr stark zwischen hoher Solidarität gegenüber der Flüchtlinge, Opportunität oder der Zustimmung für die nationalsozialistischen Ziele. Nach 1040 verlagerte sich die Grenze nach Westen und der Flüchtlingsstrom nahm ab. Nun versuchten vermehrt Kriegsgefangene oder Deserteure zu flüchten.

Auch gibt es viele zeitgenössische Berichte, welche zum Teil sehr grausame Geschehen an den Grenzen schildern.

Artikel vom 22.11.1938

„Nach umfangreichen Bemühungen gelang es Beamten der deutschen Zollaufsichtstellen Lichtenbusch, Oberforstbach und Aachen-Süd, einen Menschenschmuggler in dem Augenblick festzunehmen, als er Juden nachts über die Grenze nach Belgien zu führen versuchte. Auch konnten nach Absuchen des Geländes fünf Juden im Straßengraben versteckt gefunden und festgenommen werden. Zwei weiteren Juden gelang es, über die nahe Grenze zu entkommen. Nach weiterem langwierigem Absuchen des Geländes in der Dunkelheit und bei dem starken Nebel wurde ein Gepäckschein gefunden, der von einem Juden weggeworfen worden war. Auf Grund dieses Gepäckscheines konnte im hiesigen Hauptbahnhof ein einem Juden gehöriger Koffer beschlagnahmt werden, der rund 1200 RM enthielt, die ins Ausland verschoben werden sollten. Koffer und Geld verfielen der Beschlagnahme.“

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Synagoge

SynagogeAuch die Synagoge in Aachen wurde von Beginn an zum Feindbild der Nationalsozialisten. Während der Reichsprogromnacht am 9. November 1938 wurde diese sowie viele andere jüdische Geschäfte zerstört. Eine plötzliche Welle, die in der NS-Propaganda als „Volkszorn“ bezeichnet wurde und die in dieser Nacht über ganz Deutschland rollte, wobei viele Geschäfte „nichtarischer“ Besitzer zerstört oder geplündert wurden, während man die jüdischen Inhaber selbst teilweise festnahm und inhaftierte. Scheiben wurden eingeschlagen, Waren wurden gestohlen und ganze Räumlichkeiten niedergebrannt. Die dadurch entstandenen Sachschäden mussten dabei stets von den Besitzern selbst getragen werden.

SynagAuch die Aachener Synagoge wurde niedergebrannt. Als die jüdische Gemeinde die Feuerwehr rief, verhinderte diese nur das Übergreifen der Flammen auf andere Gebäude, ließ die Synagoge allerdings völlig abbrennen. Die Polizei sperrte den Bereich ab, damit niemand dorthin kommen konnte. Durch diese Aktion sollten die Aachener Juden weiter aus Aachen und Deutschland vertrieben werden.

Die Kosten, die durch diesen Brand entstanden waren, mussten von der jüdischen Gemeinde komplett getragen werden. Die Täter wurden zwar wenig später gefasst, allerdings zog man sie nie zur Verantwortung.

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Theaterplatz

Theaterplatz
In unserem heutigen Staatssystem gibt es eine Gewaltenteilung mit Exekutive, der ausführenden Gewalt (z.B. Polizei), Legislative, der gesetzgebenden Gewalt (z.B. Bundestag) und Judikative, der richtenden Gewalt (z.B. Amtsgericht). Zur NS-Zeit gab es allerdings keine Gewaltenteilung. Die gesamte Macht lag bei der Polizei, die Hitler direkt unterstellt war. Die Aufgabe der Polizei wurde zur Zeit des Nationalsozialismus von der „Geheimen Staatspolizei“ (GESTAPO) übernommen, welche am 26. April 1933 gegründet wurde und zur internen Gegnerbekämpfung mit weitreichenden Befugnissen eingesetzt wurde.

Wie gefTheaterplatz1ährlich und gefürchtet diese Abteilung war, erkennt man daran, dass sie z.B. ab April 1933 das Exekutionsrecht besaßen, aber auch daran, dass Klagen gegen sie aufgrund von Gesetzen nicht möglich waren. Ab 1934 waren sie eine selbständige Organisation und hatten 1936 fast 7000 Festangestellte im „ganzen Reich“. Sie führten oft Hausdurchsuchungen durch und auch wenn sie nichts fanden, wurden die Zivilisten festgenommen bzw. bestraft, nur um ihre Macht zu demonstrieren. In den Nürnberger Prozessen wurde sie zu einer verbrecherischen Organisation erklärt.

In diesem Gebäude beim Theaterplatz in Aachen hatte die GESTAPO seit 1933 ihre Büros. Hier wurden von den Nazis verfolgte Menschen festgehalten, verhört und auch gefoltert bis sie ins Gefängnis gebracht oder ins Lager deportiert wurden.

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