Katschhof – Heiligtumsfahrt/Widerstand

von Robin Wehn

Heiligtumsfahrt: Aus einer Wallfahrt für Gläubige wird eine Demonstration gegen den Nationalsozialismus.

Seit über 660 Jahren pilgern gläubige Menschen nach Aachen zur „Heiligtumsfahrt“.

Das Ziel dieser Heiligtumsfahrt ist die Verehrung von vier Reliquen, die seit der Zeit Karls des Großen im Aachener Dom als Schat z aufbewahrt werden. Seit 1349 werden die Reliquen alle sieben Jahr aus dem goldenen Marienschein im Aachener Dom für zehn Tage entnommen und den Gläubigen aus aller Welt Tafel Katschhofgezeigt. Für viele Christen ist dies eine Gelegenheit den Glauben neu zu spüren und die Gemeinschaft der Gläubigen zu erleben.

Vom 10. Bis 25. Juli 1937 besuchten rund 800.000, bis über eine Millionen Menschen die Heiligtumsfahrt in Aachen, wobei unüberschaubare Menschenmengen auf dem Katschhof standen. Weitaus mehr Pilger, als vorher angenommen, kamen zu dem „stummen Protest“ gegen das nationalsozialistische Regime, so der Aachener Domkapitular August Peters. Sie verteidigten so ihren Glauben gegenüber den Anfeindungen des NS-Regimes. Oppositionelle nutzten dies als Möglichkeit für heimliche Treffen und offenen Widerspruch gegen den Nationalsozialismus. Es herrschte keine Furcht oder Verzagtheit, sondern der Wille, ihr Zeugnis für Christus und seine Kirche gegenüber jeder Macht abzulegen. Man kann also sagen, dass diese Pilgerfahrt, das größte religiöse Ereignis des Jahre 1937 war.

Am Palmsonntag, 21. März, wurde die in deutscher Sprache verfasste Enzyklika von Papst Pius XI verlesen, in der er sich kritisch über die Politik und Ideologie der Nationalsozialisten äußerte. Die katholische Kirche schaffte es danachKatschhof2, mehrere tausend Exemplare davon zu drucken und in den Kirchen auszulegen. Kurz danach wurde die Kirchenzeitung verboten und die Druckereien, die daran beteiligt waren, wurden geschlossen. Wegen der heiklen, politischen Lage planten die Bischöfe die Wallfahrt abzusagen, jedoch entschied der Bischof des 1930 gegründeten Bistums Aachen, dass die Heiligtumsfahrt stattfinden sollte. Die Nationalsozialisten wollten dies zunächst verhindern, beschränkten sich jedoch lediglich auf Hetzkampagnen, da sie wussten dass viele Ausländer kommen wollten und die dringend benötigten Devisen ins Reich brachten.

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