Raerener Straße/Kinkebahn, Lichtenbusch

In Zeiten von Krieg fliehen viele Menschen in andere Länder, um zu überleben und ein besseres Leben zu haben. Die Flucht aus Kriegsgebieten ist auch heute noch ein sehr aktuelles Thema; z. B. in Syrien oder Afghanistan, und bewegt viele Menschen zur Hilfe. Auch zur Zeit der Judenverfolgung flüchteten viele Menschen über die Grenzen, wobei manche auch Hilfe von Deutschen bekamen.

An den Grenzen zu Belgien und den Niederlanden gab es zahlreiche Flucht- und Schmuggelaktivitäten politisch Andersdenkender, jüdischer Staatsbürger oder aus ethnisch/sozialen Gründen Verfolgter. Somit gehörte Aachen bzw. Lichtenbusch zu einer der wichtigen Fluchtstationen ins Ausland.

Insbesondere in den Jahren von 1933 – 1935 flüchteten politisch Verfolgte über die Grenzen, was von der Bevölkerung wenig bemerkt wurde. So dienten Belgien und die Niederlande bis 1940 als Basis für Untergrundarbeiten von Sozialdemokraten, Kommunisten oder Gewerkschaftlern, gegen das Regime des Inlands. Die Grenzen wurden nun stärker kontrolliert und es wurden schärfere Zollgesetzte angesetzt. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten schmuggelte die Untergrundorganisation Informationsmaterial, wie z. B. die Parteizeitung „Vorwärts“ der SPD, nach Deutschland. Durch die Etablierung der Terrorherrschaft und die immer deutlicheren Repressalien stieg der Flüchtlingsandrang jüdischer Menschen an den Grenzen stark an. Die Rassengesetzte von 1935 erlaubten Juden mit legalen Papieren zwar, Deutschland zu verlassen, jedoch durften die Menschen nur 10RM mitnehmen. Die Flüchtlinge bekamen oft Hilfe ortskundiger Grenzländer, aber die Grenzbeamten und SS-Kontrollen spürten viele Juden auf. Diese wurden entweder ausgeraubt und ohne Besitz nach Belgien geschickt, oder verhaftet und zur Rückkehr ins Reich gezwungen. Die Behandlung hing ab von zwei Motiven: Willkür und aktueller Druck des Ausland. Auch die politische Bewertung in Belgien oder den Niederlanden schwankte sehr stark zwischen hoher Solidarität gegenüber der Flüchtlinge, Opportunität oder der Zustimmung für die nationalsozialistischen Ziele. Nach 1040 verlagerte sich die Grenze nach Westen und der Flüchtlingsstrom nahm ab. Nun versuchten vermehrt Kriegsgefangene oder Deserteure zu flüchten.

Auch gibt es viele zeitgenössische Berichte, welche zum Teil sehr grausame Geschehen an den Grenzen schildern.

Artikel vom 22.11.1938

„Nach umfangreichen Bemühungen gelang es Beamten der deutschen Zollaufsichtstellen Lichtenbusch, Oberforstbach und Aachen-Süd, einen Menschenschmuggler in dem Augenblick festzunehmen, als er Juden nachts über die Grenze nach Belgien zu führen versuchte. Auch konnten nach Absuchen des Geländes fünf Juden im Straßengraben versteckt gefunden und festgenommen werden. Zwei weiteren Juden gelang es, über die nahe Grenze zu entkommen. Nach weiterem langwierigem Absuchen des Geländes in der Dunkelheit und bei dem starken Nebel wurde ein Gepäckschein gefunden, der von einem Juden weggeworfen worden war. Auf Grund dieses Gepäckscheines konnte im hiesigen Hauptbahnhof ein einem Juden gehöriger Koffer beschlagnahmt werden, der rund 1200 RM enthielt, die ins Ausland verschoben werden sollten. Koffer und Geld verfielen der Beschlagnahme.“

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