Station 42 – Löhergraben/ Barockfabrik

Als das NS-Regime die Macht übernahm, duldeten sie keinerlei Schriften, die Barockfabrickdemokratisch, pazifistisch geprägt waren oder in irgendeiner Art und Weise Hasencleveroffene und pluralistische Gesellschaften thematisierten. In Folge dessen wurden viele Bücher verboten, verbrannt und Meinungs- und Pressefreiheit wurden durch starke Zensur komplett abgeschafft. Diese Zensurpolitik setzte schon bis 1934 ca. 3000 Werke auf den Verbotsindex.

In dieser Zeit wurden auch viele Autoren als „entartet“ eingestuft und verboten, ihre Werke wurden verbrannt. Zu diesen Autoren gehörten sowohl jüdische, ausländische als auch missbilligende (z.B. linksorientierte) Verfasser. Außerdem duften „Nichtarische“ oder Ehepartner „Nichtarischer“ keinen Schriftleiterberuf ausüben. Einer Barockfabrick1dieser „entarteten“ Autoren in Aachen war der Dichter und Pazifist Walter Hasenclever, welcher in der an diesem ehemaligen Fabrikgebäude anschließenden Villa geboren wurde.

Er lebte seit 1933 vornehmlich in Südfrankreich und wurde 1938 als „entarteter“ Autor ausgebürgert. Auf Grund der französischen Niederlage und aus Angst vor drohender Verhaftung durch die GESTAPO nahm er sich am 21. Juni 1940 Im Internierungslager von Les Milles das Leben.

Steckbrief: Walter Hasenclever

8. Juli 1890: Geburt in Aachen; Eltern: Friedrich Hasenclever und dessen Frau Emma (geb. Bölling)

1908: Hasenclever beginnt sein Jurastudium an der Universität Oxford und wechselt nach einem Semester nach Lausanne

1910: erster Gedichtband von Hasenclever erscheint unter dem Titel „Städte, Nächte und Menschen“

1914: großer Erfolg mit seinem Stück „Der Sohn“; meldet sich freiwillig als Soldat zum ersten Weltkrieg

1916/17: Hasenclever, mittlerweile Kriegsgegner, simuliert ein psychisches Leiden und wird in einem Sanatorium in Dresden behandelt

1917: Entlassung aus dem Kriegsdienst; ihm wird der Kleistpreis für seine Tragödie „Antigone“ verliehen, mit der er Krieg und Despotie anprangert

1926: starker Einfluss des französischen Theaters; Hasenclever schreibt erste Komödie „Ein besserer Herr“, die großen Erfolg hat

1929-1932: Hasenclever schreibt für kurze Zeit Drehbücher für Metro-Goldwyn-Mayer in Hollywood.

1933: Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird Hasenclever in Deutschland verfemt: Seine Werke werden verboten und im Rahmen der Bücherverbrennungen aus den öffentlichen Bibliotheken entfernt. Darauf wird er ausgebürgert und geht ins Exil nach Nizza (Frankreich).

1940: Hasenclever wird erneut inhaftiert und kommt in das Lager „Les Milles“ bei Aix-en-Provence (Südfrankreich).

22. Juni 1940: Beim Anmarsch deutscher Truppen auf das Lager nimmt sich Walter Hasenclever das Leben, aus Angst in ein KZ-Lager zu kommen.

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