Flucht aus dem NS-Regime

Ein Beitrag von Pia Naumann

Flucht über den Elektrozaun
Flucht über den Elektrozaun

„Erst nach der Kristallnacht wurde es auch uns klar, dass wir keinerlei Zukunft in dem Land hatten, welchem wir uns stets dazugehörig empfanden. Jedoch war es bereits zu spät und die Tore und Türen der meisten Länder der Welt blieben geschlossen.“

(Arieh Eytan)

Der Aachener Anzeiger verkündete am 10. Mai 1940 in einem kleinen Bericht, dass ab sofort alle Grenzen nach Belgien und in die Niederlande gesperrt sein würden. Für viele Menschen war es jetzt schon zu spät sich vor der NS-Diktatur zu retten. Trotzdem kam es auch nach 1940 immer wieder zu menschenunwürdigen Fluchtszenen, die sich auch hier an dieser Grenze abspielten. Doch auch bevor man die Grenzen abriegelte, versuchten immer wieder Menschen auszuwandern, besonders die jüdische Bevölkerung. Die Auswanderung der Juden kann man hauptsächlich in drei Phasen unterteilen.

Kurz nachdem die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, verließen viele jüdische Bürger das Land. Zuerst gingen die, die bestimmte Kontakte ins Ausland oder die finanziellen Mittel hatten. Vorwiegend flüchteten damals junge Menschen, da viele alte noch an der Hoffnung an einer Besserung der Situation festhielten. Diese Hoffnung würde sie später das Leben kosten.

Die zweite Phase begann ab 1935, als die Rassengesetzte in Deutschland in Kraft traten. Viele Juden erkannten jetzt, welches Ausmaß die Herrschaft Hitlers mit sich brachte.

Die Progromnacht am 9. November 1938 war der Grund für die letzte Massenflucht aus Deutschland.

Vaalser Straße auf deutscher Seite heute
Vaalser Straße auf deutscher Seite heute

 

Doch zu jeder Zeit während 1933 und 1945 spielten sich schreckliche und brutale Fluchtszenen in den Grenzgebieten Deutschlands ab. Auch hier auf der Vaalser Straße, die später in die Niederlanden übergeht, gehörten Menschenrechtsverletzungen zum alltäglichen Leben. Oft wurden Menschen misshandelt, bestohlen, ausgebraubt und inhaftiert. Manche schafften es trotzdem sich ins sichere Ausland zu retten, teilweise durch Hilfe von Grenzbewohnern. Manchmal bezahlten sich auch für Hilfe bei der Flucht und somit wurde die Fluchthilfe gegen Geld ein beliebtes Geschäft. Der Staatspolizei von Aachen lagen Berichte vom 24.10.1933 vor, in denen ein früherer Exekutivleiter des Kreisnachrichtendienstes jüdischen Auswanderern ohne Pass für Geld hilft, über die Grenze zu kommen. Wegen dieses Vergehens wurde er umgehend verhaftet.

Viele Menschen, die damals den Weg auf sich genommen hatten, Deutschland zu verlassen, verließen nicht nur ein Land, dass sie anscheinend nicht haben wollte, sondern sie mussten ihre Heimat, ihre Freunde, ihre Familie und ihr Zuhause hinter sich lassen.

(Quellen: „Judenverfolgung und Fluchthilfe im dt.-blg. Grenzgebiet“ von H.-Dieter Arntz

Aachener Anzeiger – politisches Tagesblatt, Stadtbibliothek Aachen)

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