Über den Umgang mit Handys an Schulen

Ein Vorschlag

            „Wie halten sie es eigentlich mit Handys an ihrer Schule?“ Ist eine der gefürchteten Fragen, die Eltern mir hin und wieder stellen. Meist antworte ich mit einem indifferenten „eher schlecht“ darauf und hoffe, dass sich das Thema damit beendet hat. Eigentlich müsste ich ja „eher unbefriedigend“ sagen, der darauf folgende Blick würde aber erfordern, dass ich weiter ausholen müsste und überhaupt sollte ich auch nicht an schul-programmatisch festgelegten Regeln rütteln.

Bislang kenne ich keine Schule, die ein für mich nachvollziehbare Konzept über den Umgang mit digitalen Medien anbietet. Die flächendeckende Regel ist ein mehr oder weniger ausgeweitetes Generalverbot jeglicher Smartphones und Tablets ab dem Schulgelände. Zuwiderhandlungen werden dann mit dem temporären Entzug des geliebten Mediums geahndet – entweder bis die Eltern es abholen, oder – in besonders konservativen Schulen – gar bis zum Ende des Schuljahres. Aus Schulsicht eine einfache Lösung, die uns formal gegen medienspezifische Probleme absichert. Letztlich ist sie aber unbefriedigend, weil wir diese Art von Problemen damit ja nicht lösen, sondern einfach nur nach Hause abschieben. Wenn wir ehrlich sind, lassen wir die Schüler damit sogar alleine, weil wir uns den drängenden Themen Cybermobbing, Datenklau und digitaler Selbstdarstellung gegenüber verschließen.

Die Gründe hierfür habe ich bereits im letzten Artikel ausführlich besprochen. Kurz gefasst ist es die Angst vor dem Kontrollverlust, die uns umtreibt und – in Zeiten rigoroser Eltern – zudem der Vorwurf nicht, oder falsch reagiert zu haben. Mit einem Generalverbot bin ich demgegenüber wenigstens formal geschützt. Lange können wir uns damit allerdings nicht mehr über Wasser halten, da uns die technische Entwicklung in jedem Fall überrollen wird. Zudem weichen wir das Verbot auch selbst täglich weiter auf, da wir Lehrer ja ebenfalls mit Smartphones gesehen werden und diese teilweise sogar im Unterricht einsetzen.

Meiner Meinung nach, brauchen wir an jeder Schule einen Medienbeauftragen, der zusammen mit Schülern, Lehrern und Eltern Regeln erarbeitet, mit denen alle leben können. Ich könnte beispielsweise damit leben, dass man extra Bereiche einführt, in denen digitale Medien erlaubt sind. Das würde uns zumindest etwas Kontrolle zurückgeben und darüber hinaus müssten die Schüler dann auch nicht mehr auf Toilette eilen, um Facebook zu checken. Des Weiteren stelle ich mir auch eine Art Nachweis vor, den man in verschiedenen Seminaren erst erworben haben muss, um das Smartphone nutzen zu dürfen. Schließlich haben wir es mit Kindern zu tun, die zwar medienaffin, aber leider auch naiv agieren. Verstöße könnte man hingegen mit einem zeitweisen Entzug dieser Erlaubnis bestrafen, der im Unterschied zur gegenwärtigen Vorgehensweise allerdings von allen getragen wird und nicht nur von Lehrern und Eltern.

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