Donald an die Front – die Rolle der Disney Studios im Zweiten Weltkrieg

„Ich schenkte dem Führer 30 Klassefilme der letzten 4 Jahre und 18 Mickey-Maus-Filme … zu Weihnachten. Er freute sich sehr darüber. Ist ganz glücklich über diesen Schatz, der ihm hoffentlich viel Freude und Erholung spenden wird“ (Tagebucheintrag von Joseph Goebbels vom 22.Dezember 1937)

Zugegeben ich bin ein Fan von Propaganda. Die große Auswahl an Texten, Liedern, Bildern und Filmen und deren Interpretation faszinieren mich immer wieder. Eines meiner absoluten Lieblingsstücke möchte ich im folgenden Beitrag kurz vorstellen. Bei einer meiner letzten Lehrproben (GK11) sollte es um die Geschichte der USA im 2.Weltkrieg gehen. Die Suche nach einem konkreten Thema gestaltete sich allerdings überaschend schwierig, da die von mir gefundenen Quellen entweder zu komliziert, zu lang, oder nur in englischer Sprache verfügbar waren. Nach einer ziemlich nervenaufreibenden Suche und mehreren grauen Haaren stieß ich zufällig auf den US-Kurzfilm The Fuehrer´s Face – Donald in Nutziland  aus dem Jahre 1943.


Weitere Recherchen ergaben, dass es sich hierbei tatsächlich um einen Oscar-prämierten(!!) Trickfilm aus dem Hause Disney handelt, der zu einer ganzen Reihe von Propagandafilmen gehört, die Disney in den 40er Jahren im Auftrag der US-Regierung produziert hatte. Bei The Fuehrer’s Face wacht Donald in Nutziland auf und durchlebt den militärischen Drilltag eines „typischen“ Deutschen in Nutziland. Das Ganze ist recht skurril und zum Teil auch witzig und bietet sich als historische Quelle für den Unterricht daher geradezu an. In meiner Stunde sollten die Schüler die verschiedenen Ausdrucksformen des Films analysieren (Ton, Sprache etc.) und anschließend in Bezug auf eine mögliche propagandistische Funktion der US-Unterhaltungsindustrie hin untersuchen. Statt dieser Ausrichtung könnte ich mir aber durchaus auch einen direkten Vergleich zwischen deutscher und amerikanischer Propaganda vorstellen.

„In time of war it’s typical – sometimes even useful to demonize your enemy“ Leonard Maltin)

Im Endergebnis ging es in allen Disney-Propagandafilmen – wie der US-Filmkritiker Maltin punktgenau formuliert – um eine Dämonisierung des Feindes. Vorherrschende Klischees wurden aufgenommen, überspitzt und humoristisch wirksam umgesetzt. Die Reaktion der US-Bevölkerung, die diese Filme damals im Kino als Vorschau zu sehen bekam war überwiegend positiv, was allein schon der Oscar für The Fuehrer’s Face verdeutlicht. Aus diesem Grund gab es wohl auch eine ganze Reihe weiterer Filme, bei denen Officer Donald jeweils in verschiedene militärische Rollen schlüpfte und auf die eine oder andere (tollpatschige) Weise den deutschen oder japanischen Feind besiegt. Ein paar weitere Beispiele habe ich unten aufgeführt.

Eine Ausnahme aus dem eher humoristischen Spektrum der Disney-Filme ist der 10-minütige Streifen Education for Death der in ziemlich bedrückenden Tönen und Bildern die Frage stellt What makes a nazi?. Die Antwort hierauf ist die Darstellung einer typischen ideologisierten und militarisierten Erziehung der Jugendlichen in Deutschland. Obgleich auch dies ein Propagandafilm ist, kratzten manche Filme doch sehr an der tatsächlichen Wirklichkeit der NS-Kindererziehung.

Sollte irgendwer Interesse an dem Material oder Verlauf meiner Unterrichtsstunde haben, genügt eine kurze Meldung bei mir. In diesem Sinne…

(Education for Death 1943)

(Commando Duck 1944)

(Donald gets drafted 1942)

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6 Responses to Donald an die Front – die Rolle der Disney Studios im Zweiten Weltkrieg

  1. Herr Rau sagt:

    Die schöne Musik zu „Der Fuehrer’s Face“ ist übrigens von Spike Jones, der mit seiner Band viele solche schrägen Sachen gemacht hat. Live, alles. An Propaganda: von der deutschen Seite aus gab es zum Beispiel „Charlie and His Orchestra“: Schöner Swing, auf englisch, mit englischen und amerikanischen Lieder und neuen Propaganda-Texten. Ermöglicht mir einen sehr unmittelbaren Zugang.

  2. kurt sagt:

    Toller Beitrag. Ich wusste zwar von diesen Propagandafilmen, kannte aber nur den letzten. Sehr interessant.

  3. Herr_Rein sagt:

    you’re welcome 🙂

  4. Charlott sagt:

    Hallo. Ich bin Schülerin der 10. Klasse an einem Gymnasium und muss dieses Jahr den MSA (mittleren Schulabschluss)absolvieren. Ein Teil dieser Prüfung ist eine mündliche Prüfung in Form eines Vortrages. Das Thema kann man frei wählen und ich habe mir mit meiner Partnerin genau das Thema ausgesucht, welches hier in diesem Block behandelt wird. Ich habe großes Interesse an jedweiligem Material und würde mich sehr freuen, wenn Sie sich bei mir melden würden.
    Liebe Grüße, Charlott.

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