Mystery im Unterricht? – oder warum musste die Liebe zwischen Sabine und Thomas scheitern?

Am Beginn unserer wöchentlichen Seminarsitzungen steht immer eine Freud und Leid Runde, bei der aktuelle Probleme oder Ereignisse erst ins Plenum geworfen und anschließend dort gemeinsam besprochen werden. In der letzten Veranstaltung erzählte uns ein Geographielehrer (in Spes!), dass seine Schulleitung und ein paar Eltern seiner Klasse ihn dazu aufgefordert hätten, seine letzte Unterrichtsmethode nachträglich didaktisch zu begründen. Dieses sollte bitte alsbald und schriftlich geschehen.

 Auch wenn diese kleine Vorgeschichte suggeriert, es handele hierbei sich hierbei um einen kritischen Wurf in Richtung Eltern und Schulleitung(!), geht es mir doch vorrangig um die tatsächlich etwas exotisch klingende Methode Mystery. Denn ehrlich gesagt empfand auch ich die Idee im ersten Augenblick als ziemlich blödsinnig und materialaufwendig. Aber vielleicht erstmal zu den Fakten:

 Bei der Mystery-Idee handelt es sich um eine typische problemorientierte Unterrichtsmethode, bei der die Schüler die ihnen gestellte Problemstellung durch selbstständiges Fragen und Forschen lösen. So weit so normal. Des Pudels Kern ist aber, dass wir es hierbei nicht mit einer typischen Problemfrage zu tun haben (Bsp.: Welche Auswirkungen hat der Bau eines Staudammes auf die vorherrschende Umwelt?), sondern mit einer – auf den ersten Blick – recht skurrilen Frage (Bsp.:Warum musste die Liebe zwischen Thomas uns Sabine scheitern?). Was sich im ersten Moment recht blödsinnig anhört, hat durchaus Sinn, denn obwohl die Lerngruppe primär die romantische Frage im Blick hat, benötigen sie für deren Lösung eine Vielzahl an fachwissenschaftlichen Inhalten und Erkenntnissen. Das ganze erinnert also ein wenig an ein – in einer Geschichte eingebundenes – Stationen-Lernen, bei dem mehrere Themen nacheinander abgearbeitet werden müssen. Am Ende wissen die Schüler also nicht nur, dass die Liebe zwischen Thomas und Sabine aufgrund eines Staudammbaus zerstört wurde, sondern auch, welche Auswirkungen dieser auf die dortige Tier- und Menschenwelt hat. Ich bin zwar Geschichts- und Politiklehrer, aber ich denke, dass sich die Methode leicht auch auf andere Themen übertragen ließe: Beispielsweise könnte die Liebe zwischen Thomas und Sabine auch aufgrund der Einberufung von Thomas in den Krieg (Thema: Geschichte/ Nationalsozialismus) oder aufgrund eines berufsbedingten Wegzuges der Eltern (Thema: Politik/ Arbeitslosigkeit) scheitern.

 Da ich neben einer Passion für die Drei Fragezeichen auch ein großer Freund von Black-Stories bin, finde ich diesen Ansatz also durchaus reizvoll, da  er sich auf eine Menge Themen übertragen lässt und den Unterricht zusätzlich durch eine spannende Geschichte anreichert. Ohne es bislang versucht zu haben, würde ich prognostizieren, dass sich – je nach Geschichte – diese Methode fächerübergreifend sowohl in der Sek. I und II anwenden ließe. Das große Manko ist dabei nur, dass man die ganzen einzelnen Stationen erst mühselig ausarbeiten muss, bevor man sie einsetzen kann. Also eher etwas für langfristige Planer.

Was haltet Ihr von dieser Methode? Ideen, Vorschläge, Kritik?

P.S. Wer das Ganze einmal in didaktisch aufbereiteter und inhaltlich ausgearbeiteter Form lesen möchte, dem empfehle hierfür ich den Praxis-Geschichte-Artikel: Heinz, Fritz, das Geschenk und andere Verdächtige, der diese Methode aus dem Blickwinkel der Jugend im Nationalsozialismus aufgreift.

        

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Geschichte, Methoden, Unterricht und getaggt als , , . Fügen Sie den permalink zu Ihren Favoriten hinzu.

5 Responses to Mystery im Unterricht? – oder warum musste die Liebe zwischen Sabine und Thomas scheitern?

  1. tommdidomm sagt:

    Ich habe von dieser Methode vor einiger Zeit schon mal gelesen. Fand sie damals, wie du, anfangs irgendwie blöd, dann aber interessant. Letztlich habe ich aber dasselbe Problem wie bei allen dieser Art von sehr aktiven Methoden: ich fürchte, es bleibt nicht so viel vom Inhalt übrig. Nur meine persönlich Angst.
    Ich selbst habe früher in der 9 immer ein Rollenspiel zur Paulskirchenversammlung durchgeführt. Und die Schüler waren aktivst dabei. Es gab schöne Debatten und Tumulte und sie begriffen in der Stunde auch, wie problematisch und schwierig es war, überhaupt einen Konsens zu erreichen.
    Wenn ich sie zwei bis drei Jahre später fragte, was sie von meinem Unterricht noch wussten, haben sie immer diese Stunden angesprochen. Wenn ich sie fragte, worum es inhaltlich ging…kam sehr wenig bis nichts.

    Also als Erweiterung der fachwissenschaftlichen Inhalte, sicherlich gut, als Erarbeitung weniger.

  2. Herr Rein sagt:

    Ich teile Deine Befürchtung. Allerdings ist das ein generelles Problem, welches sich nicht nur auf die aktiven Methoden beschränkt. Was letztlich bleibt, wissen auch die Schüler oftmals nicht mehr genau und sind letztlich sogar überrascht wenn sie manches „verlorene“ Wissen plötzlich wieder anwenden. Für mich ist hierbei v.a. der große Zeit- und Materialaufwand ein wirkliches Problem.

    Gruß

  3. Mandy sagt:

    Hallo,
    ich hab das mit Schülern auch schon gemacht: Oberstufe zu Kupferminen in Südamerika, eingebettet in die Handywahl eines Familienvaters. Außerdem zu Plattentektonik. Es gibt auch ein Mystery zu Chucks. Allesamt schon ganz gut von div. Verlagen ausgearbeitet und immer mal wieder in der einen oder anderen Didaktik-Zeitschrift drin. Für die Schüler ist so eine Geschichte meist recht spannend. Aber wie bei allen Methoden: sie sollten nicht zu oft praktiziert werden und dem Leistungsstand der Klasse angepasst sein.
    Viele Grüße,
    Mandy

  4. teacher sagt:

    Geschichten sind sehr gute Motivatoren, weil Spannung entsteht und Personen, mit denen man mitfühlt, vorkommen. Besonders narrative Einstiege kann ich nur empfehlen.
    lg teacher

Kommentar verfassen